Lübecker Hafen
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Memoiren des gewesenen Schulmeisters zu Swonarewkut Johann Georg Möhring aus dem 18. Jahrhundert, betitelt „Chronologische Anmerkungen“

Veröffenlicht im Friedensboten von Pastor Johannes Kufeld

 

Wie ich den Lesern des „Friedensboten“ versprochen, gebe ich hier eine Fortsetzung der Aufzeichnungen von Augenzeugen, die die Reise aus Deutschland in die neuen Ansiedlungen an der Wolga mitgemacht haben. Es sind dies die Memoiren des Schulmeisters Johann Georg Möhring, die insofern von Interesse sind, als sie einen Mann mit Universitätsbildung zum Verfasser haben und auch ein Licht werfen auf die Einwanderung an den Tarlyk-Fluß. Möhring schreibt: 1743 den 4. August bin ich geboren in dem Dorfe Altenstadt, nicht weit von dem Städtchen Chaorkomcham in des Herrn Pastors Tilgers Hause, welcher mich an demselben Tage auf den Namen Johann Georg taufte. Mein Vater, Johann Georg, war Subaltern-Offizier in herzoglich-württembergischen Diensten, gebürtig von Dettenhausen bei Tübingen. Meine Mutter Katharina Magdalena, war gebürtig von Kloster Lorch im Ramsthal. 1744 kam ich zu meinen seligen Großvater nach Lorch zur Auserziehung und meine Mutter verheiratete sich mit Johann Daniel Deckert. 1749 wurde ich ins Gymnasium geschickt. Von dieser Zeit an musste ich und meine liebe Mutter 7 Jahre lang sehr viel Ungemach erdulden, denn mein Stiefvater war dem Laster der Trunkenheit und dem Stehlen allzusehr ergeben. 1756 im Mai änderte es sich mit mir, da ich mit dem Anfang des schlesischen Krieges zum F. D. Röstel gethan wurde. 1760 im August ging ich nach der Universität Tübingen, 1761 zum württembergischen Kreis-Regiment nach Sachsen und diente bis zum Frieden 1763; auch unter dem Prince de Baden Durlach als Fähnrich. 1764 ging ich nach Rhomham, von da nach der Schweiz und auch nach den Niederlanden. 1766 wurde ich von Johann Brugmann, einem holländischen Kaufmann aus Amsterdam, den 26. Februar als Kolonist nach Russland engagiert, wozu mir der Bürger Sausenthaler zuredete, aber ein Chirurg R. R., der in Russland gewesen, missriet mir herzlich und treulich. Brugmann ging dann ab und Hummel, ein Bürger und Materialist aus Nürnberg übernahm die Commission. 1766 den 27. März, am grünen Donnerstag wurde ich mit meiner ersten Frau, der ledigen Christiana Stöslin von Stadling vom Herrn Pastor Brunner in Wörth copuliert. Den 17. April ging unser Transport ab; bei meiner Familie war meine Schwieger Anna Stöslin 70 Jahre alt und meine Schwägerin Barbara 22 Jahre alt, so sich in Magdeburg an den Chemicus Dallafuß verheiratete. Er war aus Znaim aus Mähren gebürtig. Bei diesem Transport war auch ein Verwandter von mir, Martin Baßinger, ein Bürger und Maurer aus der Nürnbergschen Vorstadt Wörth sammt seiner Familie. Unser Zug ging über Baireuth, Hof, Gera, Zeitz, Halle bis Magdeburg; von da zu Schiff auf der Elbe über Acken bis Lauen-burg; von da wieder auf Wagen nach Lübeck, wo wir am 8. Mai als am Himmelfahrtstage Christi, anka-men. In Lübeck habe erhalten für mich und meine Frau 2 Hemden, 2 Paar Schuhe, 2 Paar Strümpfe. Bis dahin bekamen wir Tagegeld, seit der Zeit unseres Engagements eine Mannsperson von 16 Jahren 10 Kreutzer, eine Weibsperson von 18 Jahren 10 Kreutzer, Kinder nach Maßgabe des Alters welche 10, kleinere 6 oder 4 Kreutzer. 1766 den 26. Mai am Sonntag nach Pfingsten n. St. bekam ich für meine Familie das sogenannte Buttergeld 16 Schillinge, und wurde nebst anderen embarquiert. Unser Schiffs-Patron war von Bremen, das Schiff hieß Fortuna; auf selbigem war der Vorsteher Dallafuß mit unserem Transport und die Vorsteher Holzmiller und Roth. Auf der Rhede bei Travemünde lagen wir 4 Tage vor Anker, sodann segelten wir ab.

Auf dem Schiff bekam der Mann täglich ein Duart Wein und alle 3 Tage ein Duart Franzwein, eine Portion geräucherten Speck zu 6 Pfund, eine Portion Brot und Zwieback. Nach einer 11 Tage dauernde Fahrt und einem kleinen ausgestandenen Sturm liefen wir auf der Rhede bei Kronstadt in Ingermanland ein und wurden nach Oranienbaum Abends ausgesetzt. 1766 im Juni n. St.konnte jede Kolonisten=Familie nach Anzahl der Köpfe auf ein vorgezeigtes Billet vom Vorsteher bei einem Kaufmann nötige Waare ausneh-men. Mich betraf's für mich und meine Frau mit 12 Rubeln, Baßinger bekam für sich und seine Familie 16 Rubel. Nach einem Aufenthalt von 4 Wochen wurden wir teils zu Wasser, teils zu Lande nach St. Petersburg geführt. Vor Petersburg lagen wir in Barquen auf dem Newa-Strom 8 Tage, sodann wurden wir unter Commando der Herrn Offiziere Gebrüder von Oldenburg zu Wasser auf der Newa bis Schlüsselburg, von da durch den lodogischen Kanal u. f. w. bis Nowgorod Welicki fortgeschaft. In Nowgorod Welicki sind wir den 26. August n. St. 1766 angekommen, wo ich wegen Krankheit meiner seligen Frau nebst vielen anderen von meinem Transport zurückbleiben und auch Vorsteher werden mußte. Nach 14 Tagen, den 9. September, starb daselbst meine erste Frau an der Heimsucht und liegt hinter dem Kloster St. Nikolai, 3 Werst von Groß-Nowgorod, nebst vielen anderen Kolonisten bergraben. 1766 nach einer in meinem 11=wöchigen Wittwenstande ausgestandenen schweren Krankheit heiratete ich zum anderen Male, und zwar die durch den 3. November erfolgten Tod des Martin Baßinger gewordene Wittwe, mit welcher ich am Sonntage in der erste Abenwoche des Tischlers Scheibels Hause zu Groß-Nowgorod vom Hernn Pastor Tornow getraut wurde. Im März hatte ich großen Verlust an den empfangenen Tagegeldern, so ich als Vorsteher an die Kolonisten auszahlen sollte. 1767 in eben diesem Monat bekamen wir Kleidungsstücke auf die Reise, ich bekam im März für meine Familie 2 große , 2 kleine Pelze, 2 große, 2 kleine Mützen, 2 Paar große, 2 Paar kleine Stiefel, 2 Paar große, 1 Paar kleine Strümpfe, 2 Paar Handschuhe und 1 Paar rottuchen Hosen. 1767 gegen Ende des März wurden wir unter'm Commando des Herrn Lieutenant Dunckel auf Schlitten von Groß Nowgorod über Brunitza nach dem Dorfe Chilonka 15 Werst von Torschok, transportiert. Nachdem wir dort 6 Wochen stille gelegen hatten, wurden wir den 10. Mai von Torschok aus auf der Twerza unter'm Commando des Herrn Prem.-Lieut. Leontiew und Lukin nach Twer transportiert. Daselbst enstand ein großer Streit mit den Russen, wobei ein Kolonist Namens Anton Schneider (er starb später in Rownoje), Schuld hatte.

Nach langem Aufenthalt gingen wir auf der Wolga weiter nach Jaroslaw, Kostroma, Nischni Nowgorod, Saran, Simbirsk und samara, wo unsere Barque sehr schadhaft wurde, bis nach saratow, wo wir bei der gegenüberliegenden malorussischen Slobode Pokrowskaja 1767 den 2. August anlandeten. Nach 8 Tagen wurde ich nebst anderen Familien auf Ochsen-Wagen nach den Klonien gebracht; des anderen Tages gig ich auf Zureden als Kolonit und Schulmeister auf die Kolonie des Vorstehers Jost, russisch Po-powkina; bald nachher, den 8. August, mußten wir die Neuankömmlinge mit dem Vorsteher nach Sara-tow, um Pferde und Vorschuß zu empfangen, und jeder mußte, ob er wollte oder nicht, Vorschuß nehmen. Des anderen Tages bekammen wir jeder 2 kalmückische Pferde, aber den ersten Vorschuß zu 15 Rubeln erst 11 Tage nachher, wofür wir Ackergerätschaften als Chomute, Wagen, Sensen u. f. w. kaufen mußten. 3 Tage nachher bekamen wir das erste Tagegeld in Saratow, der Mann 7, die Frau 7 Kop. täglich. Kinder nach dem Alter; meine Stieftöchter jede 3 Kop.


1767 im September bekam jede Familie eine kalmückische Kuh; zu eben dieser Zeit wurden von jeder Kolonie nebst dem Vorsteher 2 Deputierte vom hohen Comptoir nach Saratow berufen, um eine Publikation einiger die Kolonisten besonders betreffenden Polizei-Gesetze anzuhören und unterschreiben, worin unter Anderem allen Kolonisten alle Arten von Gewerbe und Handel schlechterdings verboten wurden, und jeder, er sei, wer er wolle, Künstler oder Handwerker, gelehrt oder ungelehrt, mußte sich zum Ackerbau bequemen. Im Falle des Nichtwollens sollte er mit Zuchthausstrafe, wozu die von Saratov bei der Wolga gebauten Kasernen bestimmt waren, und darin die Verbrecher auf Handmühlen mahlen mußten, oder gar wohl mit Schlägen dazu gezwungen werden. Um eben dieselbe Zeit machte der Herr Major Baturin die erste Revision und jeder wurde um sein Vaterland, Gewerbe u. f. w. befragt, gleichfalls wurden auf Befehl der in Priwalnaja befindlichen Direktion von den Kolonisten gewisse Gerichtsmänner durchs Loos erwählet.

1767 den 23. November bakam ich 10 Rbl. Vorschuß, wofür ich Heu und Hafer kaufte. 1768 den 17. Februar bekamen wir wieder Vorschuß 10 Rubel. Bei dieser Gelegenheit wurde in der in der Kolonie Popowkina bei uns stett des Jost der in Zebelshof gewesene Holzhauer Lammermann närischerweise zum Vorsteher erwählet Von diesen 10 Rubeln Vorschuß bezahlte ich nebst den meisten der Kolonisten von Popowkina an die Le Roische Direktion für 3 Dessiatin zu ackern laut Kontrakt 6 Rubel.

1778 machte Se. Excellenz der Herr Brigadier und Präsident des Hohen Comptoirs Iwan Resanow im Monat Mai eine Revision, er war sehr streng und es wurde ein großer Abzug an Tagegeldern gemacht zur Strafe, daß wir nicht geackert hatten. Ich war dazumal auf den Tod krank am hitzigen Fieber, doch war mir auf Juni am Tagegeld abgezogen 1 Rubel 80 Kopeken; sogar die Kinder mussten 1 Kopeken Abzug leiden. Vorhero aber den 17. April bekamen wir Wagengeräte, als: 2 Vorder-, 1 Hinterachse, 2 Paar Wagenstränge, 1 Paar Fömerstangen, einen Bügel und 4 Räder; und den 14.Mai bekam ich die ersten saatfrüchte; 2 Kuhl, 4 Pudofki Weizen, 2 Pudofki Gerste, ¼ Pudofki Hanf, 5 Pudofki Hafer, 1/8 Hirse, 1/8 Buchweizen.

1768 den 6. Juni bekam ich ?isengeräte als. 1 russischen Pflug, 2 Sensen, 2 Sicheln, 1 Pfanne mit Griff, 1 Baummesser, 1 Schloß, 1 Ofengabel. Um diese Zeit wollten viele Kolonisten zu den Kalmücken über-gehen. Ferner den 9. Juni bekam ich 8 Rubel Vorschuß. Zu dieser Zeit wurde bei den ausgestorbenen Familien oder die als untüchtig erkannt wurden, wenn sie auch nur den ersten Vorschuß bekommen hatten, nicht nur das Vieh und die Geräte, sondern auch Kleider und Betten und sogar Bücher, so sie aus ihrem Vaterlande mitgebracht, weggenommen, versteigert und das Geld nach der Le Roischen Direktion in Priwalnaja gebracht und es wurde gar kein Mitleiden gegen die nachgebliebenen Kinder beobachtet. 1768 den 5. September bekamen wir Roggen zur Herbstaussaat 2 Kuhl. Auf die Monate Juni, August, September und Oktober bekamen wir wieder das volle Tagegeld zu 7 Kopeken, auf November aber nur 5 Kopeken und bei jedem Kinde wurde ein Kopeken Abzug gemacht. Kinder, so nicht 2 Jahre alt waren, bekamen nichts.

1769 bekam ich auf Januar, Februar und März jeden Monat 6 Pudofki Roggenmehl zum Unterhalt für mich und meine Familie, aber gar kein Tagegeld, wie auch die anderen. 1769 den 3. Mai bekam ich 4 Pudofki Gerste und 2 Kuhl Hafer zur Aussaat. Den Winter vorher erhoben die Kolonisten Klage wider die Le Roische Direktion, in welcher Affaire ich von der Gemeinde als Deputierter mit Vollmacht, so alle unterschrieben hatten, versehen und auf Gemeindekosten nach Saratow geschickt wurde...(leider fehlen im Original an dieser Stelle mehrere Blätter und ist die Darstellung lückenhaft. Die Fortzetzung auf dem nächsten noch erhaltenen Blatt lautet:

1774... zwischen Saratow und der Kolonie Kasitzkoj jämmerlich ermordet und liegen am Wege daselbst begraben. 1774 den 28. August fielen die Kirgisen am Karaman in den Kolonien ein, schleppten viele Seelen mit in die Sklaverei fort, welche die Kolonisten unter Anführung des Herrn Pastors Weruborner erretten wollten. Es wurde aber ihr Anführer nebst vielen Kolonisten jämmerlich ermordet. Den 31. August geschah wieder ein Einfall von den Kirgisen in der Kolonie Tonkoschurowka und auf den anderen nahe liegenden Kolonien; die von den Kirgisen gefangenen Kolonisten wurden von dem Herrn Major von Gogol mit einem Commando Husaren, Kolonisten und Russen errettet. Das erste Mal waren es über 400 seelen Gefangene.

1774 den 2. September bin ich nebst Rud. Schmidt auf Bitten der Gemeinde nach Saratow als Deputierter zum Herrn Assessor Tilling gegangen, uns zu befragen, da fast alle Kolonien am Tarlyk geflüchtet waren, wie man sich verhallten solle. Die Antwort und Resolution desselben war, man solle sich wehren mit den Waffen, so die Natur an die Hand gebe, doch könnteman Niemand, wer fliehen wollte, aufhalte. Bei unserer Rückkunftbeschlossen wir alle nach vielem Überlegen auch wie alle anderen zu flüchten und Solches setzen wir Abends den 4. ins Werk und wollten es den 5. des Morgens ausführen, allein wir wurden teils auf dem Wege, teils in dem Walde von denen vom Pugatschefschen Scharmützel zurückkommenden Jaikschen Kosacken rein ausgeplündert, und ich behielt nichts, als was ich, meine Frau und Kinder auf dem Leibe hatten, Kleider, Betten und geräte war fort. 1774 den 29. September zog der herr Obrist Michelson mit seinem Corp d’Armee durch die Kolonie Popofkina.
1774 den 24. October sind die Kirgisen in den Kolonien Rownoj, Kostawewa, Krasnorinowka und Kot-schetnoj eingefallen und haben 317 Seelen in die Sclaverei geschleppt, worunter auch mein Schwager Dallafuß war mit Frau und Kindern; solche sind in die kleine Buchara verkauft worden. 1774 den 2. October bin ich mit meiner Familie nebst noch etlichen Familien nach der Kolonie Sewastianofka jenseits der Wolga geflüchtet und den 17. November ganz allein wieder auf die Kolonie gekommen; den 20. November bin ich als Schreiber zur Revision des Herrn Majors Lemange gefordert worden, mit welchem ich nach Saratow reisen musste und den 8. Dezember holte ich Frau und Kind von Sewastianofka wieder ab, welche so lange bei dem so genannten Stiel-Hannes sich aufhielten. 1775 den 24. Januar ist die Streitsache zwischen dem Herrn Capitain von Ditmar und den Kolonisten mit gegen einander ausgewechselten Reversen beigelegt worden. 1775 den 9. März wurde beim Mehlholen von Solotoi Lammermann von zweien Russen ausgeplündert, aber Benedix von Laub ging verloren.

1775 den 13 März wollten 300 Kirgisen in Solotoi und den dort herumliegenden Kolonien wieder einfallen, sind aber von denen auf den Kolonien stehenden Husaren verjagt worden. In diesem Jahr erhielt ich zum Unterhalt monatlich 1 Kuhl Roggenmehl vom Januar bis September. Den 17. April kam der Herr Capitain Durof, Revision zu halten, bei welcher ich als Dolmetscher gebraucht wurde und mich bei dieser Gelegenheit als zum Ackerbau selbst für untüchtig erklärte. Den 29. Juni reiste ich von der Kolonie ab, einen Schulmeisterdienst zu suchen und accodierte mit der Kolonie Swonarewkut am Karaman, so auch mit der Kolonie Oleschna jenseits der Wolga. Den 13. Juni bekam ich vom Hohen Comptoir auf mein eingegebenes Memorial die gnädige Resolution, als Kreisschreiber am Tarlyk bei Herrn Leut. Mangin platzieret zu werden, es wurde aber von meinen Feinden hintertrieben.

Nach geendigter General-Revision Er. Excellenz des Herrn Stats-Raths de Lodischinsky wusste ich erst woran ich war und erhielt von seiner Excellenz die gnädigste Erlaubnis, mich wohin ich wollte zu wenden, ehrlich zu ernähren. In der vom Herrn Cancellaristen Schäfer im Mai gemachten vorläufigen Revision stand bei meinem Namen geschrieben: Ist ein Studiosus, verseht den Ackerbau nicht, sondern will sich als Schulmeister auf den Kolonien ehrlich ernähren; Se. Excellenz aber geruhen in russischer Sprache beizu-fügen: 1775 den 3. October fuhr ich mit meiner Stieftochter Anna Maria an den Karaman auf die Kolonie Swonarewkut. Nach 8 Tagen ließ ich meine Frau und andere Stieftochter nachholen. In der Kolonie Po-pofkina ist von mir nachgeblieben: ein haus, 1 Stall und 1 Ambar, 1 Pferd, 1 Waage, 1 Pferd, 1 Kuh und die Ackergerätschaften als 1 Pflug, 1 Chomuth, 3 Sensen, 4 Räder u. f. m.

1775 den 21 October ist eine gnädigste Ukase publizier worden, daß die Kolonisten, so ihren Unterhalt nicht hätten, solchen mit Schanz-Arbeit in Saratow und 3 Kolonien verdienen könnten, nämlich für einen Kub-Faden sollten ihnen 2 Rubel gegeben werden.

1776 im Winter hatte ich Verdruß mit dem Ferdinand von Beauregard wegen qui vit; den 29. Februar wurde ich zu der durch den Tod des Peter Buchmeier erledigten Küsterstelle von Ser. Ehrwürden Herrn Pastor Helm berufen, that auch Probe als Küster in gegenwart besagten Herrn Pastor Helm den 6 März am Sonntag Oculi, ich trat aber solche Stelle aus eigenem Willen nicht an und blieb Schulmeister in der Kolonie Swonarewkut.

1776 im Herbst erhielten die Kolonisten Samen von Maulbeerbäumen, weil auch das Getreide nicht recht fort wollte, wiewohl das 1776. Jahr gar sehr fruchtbar war, so legten sie sich mit allem Fleiß auf den Tabaksanbau. In Swonarewkut blieb ich Schulmeister bis den 10. Februar 1781, ein schlecht Jahr. 1776 war sehr fruchtbar.

So weit die sehr kurz und knapp gefasste Chronik des Johann Georg Möhring, aus welcher wir manches Neue erfahren. Dieser Chronik ist vom Verfasser noch eine Ausführliche „Spezifikation“ der von ihm und seiner Familie von der Krone erhaltenen Tagegelder vom Tage seines Engagements d. 26. Februar 1766 bis zum November 1769 mit allen Details beigefügt, doch von der Wiedergabe dieses Zahlenregisters können wir absehen, zumal aus der Chronik selbst deutlich genug hervorgeht, wie reichlich die Krone den Kolonisten Vorschuß an Geld und Mehl und Getreide zu ihrer Existenz gab.

Pastor Kufeld